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Besonders richten wir das Wort an unsere Partner und Mitstreiter, an interessierte Künstler, an nachsichtige Nachbarn.

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Manch einer von euch kennt die Geschichte. Da sie schön ist, lohnt sich aber auch die neuerliche Lektüre. Es war einmal… ein Katzenklo. Dem Auge des Laien erschien das Katzenklo als altes Bauernhaus. Mit dem Begriff „Katzenklo“ war für den Laien auch die Frage nach Sinn und Zweck des Gebäudes hinreichend geklärt. Der geneigte Fachmann, ausgestattet mit einem feinen Sinn für Ironie, wusste jedoch schon bald, was die vermeintlich bröckelnde Fassade verbarg. Es erforderte Mut, aber wer einmal die Türschwelle übertrat, dem eröffnete sich ein wohlfeil eingerichtetes Atelier, indem sich viele der talentiertesten Luftschlossarchitekten
hier zu Lande tatkräftig versammelt hatten. Jugendlicher Leichtsinn beflügelte unsere Kunsthandwerker, frühreifer Schwermut sorgte für Bodenständigkeit: die notwendigen Extreme einer Jugendkultur, die Land und Leute in ihren Luftschlössern zu beherbergen trachtete. Hoch gesteckte Ziele, tief gehende Gedanken; Weitblick bei der Suche nach menschlicher Nähe: Viel Raum wurde erschlossen, den es zu gestalten galt.

Der Durchbruch, so ehrlich müssen wir zurückblicken, ist uns damals nicht gelungen. Es blieb beim Bau von Luftschlössern. Aber: Es waren gelungene, fantastische Luftschlösser.

Diese verhalfen uns, der „Vereinigung uneingeschränkter Genießer“, in den Jahren von 2000 bis 2006 durchaus zu Ruhm und Ansehen im lokalen Großraum des württembergischen Allgäus — auch wenn die Blicke teilweise streng, die Urteile unrühmlich ausfielen. Zur Institution avancierten unsere philosophisch-politischen Rednerabende. Meister der Rhetorik demonstrierten in diesem Rahmen, wie Pathos und argumentatives Geschick mustergültig zu verschränken sind. Wir können auf intensive Partys zurückblicken, auf verrückte Programme, auf spontane kreative Einlagen, auf einzigartige Gruppendynamiken: auf unzählbare und unschätzbare Stunden im Katzenklo, in denen es nicht eine Handgreiflichkeit gab. Den Höhepunkt dieser Zeit bildete ein im Sommer 2006 veranstaltetes Festival. Ein großes Zirkuszelt und über 500 Gäste: das schönste und einladendste unserer gemeinsam errichteten Luftschlösser…

… leider auch das vorläufig letzte. Wie bei Künstlern und Handwerkern nicht unüblich, folgte eine Zeit der Walz und der Wanderschaft. Die meisten kochten ihr eigenes Süppchen, manche rochen den Braten, nur wenigen verging der Appetit. Ganz selten, dies soll nicht verschwiegen werden, kam es vor, dass einer den Hals nicht voll bekam.

In der Betrachtung des Katzenklos, dies musste auch der geneigte Fachmann anerkennen, erschien zunehmend eine Kluft zwischen mythischer Verklärung und tatsächlichem Verfall. Ich schweife noch immer durch die Luftschlösser, ich erwache durch den Aufprall des bröckelnden Putzes.

Doch die Vereinigung uneingeschränkter Genießer wird der Zeit den Zahn ziehen! Die Gefühle sind gemischt: Melancholie auf der einen, das Wissen um die Notwendigkeit und die Richtigkeit auf der anderen Seite: Ja. Das Katzenklo wird Ende diesen Jahres abgerissen!
Und ja, es existieren ausgereifte Pläne, die den entstandenen Spielraum nutzbar machen sollen.
Und: Diesmal werden keine Luftschlösser gebaut!